31.08.2019 Cherbourg/ Fr

Alle Lebensgeister sind wieder vollzählig angetreten! Wir starteten mit einem typisch französischen Frühstück in einem Hafencafe in den Tag. Allerdings waren wir schon etwas verwundert, als ein Teller voller aufgeschnittener Baguettes und voller Croissants gebracht wurde, sowie 4 große Gläser Marmelade mit Löffel und einige kleine Stücke Butter. Was fehlte waren Teller und Messer! Auf Nachfrage meinerseits wurde uns vieren zusammen ein Teller und ein Messer gegeben. Ok, die Franzosen scheinen lt. Felix' Aussage aus dem Fränzösischunterricht ihr Frühstück direkt vom Tisch zu essen und meine Tellernachfrage war ihm ziemlich peinlich. Geschmeckt hat es trotzdem! 

Auf ins Museum Cite de la Mer mit Begehung des Atom-U-Bootes und der Titanic-Ausstellung. Allerdings war es schon ein bißchen verrückt von uns, als Bootsfahrer in die Titanicausstellung zu gehen. (Die Titanic hatte hier ihre leider letze Zwischenstation vor dem Unglück.)

(Abfertigungshalle der Auswanderer in die Neue Welt)

Es folgte noch ein Rundgang durch Cherbourgs mittelalterliche Innenstadt.

 

Nach dem Großeinkauf im Supermarkt und dem Abendessen an Bord bat ich die Kinder, mich zum Aufwaschen zu begleiten. Da wir am weitest entferneten Steg zu den Sanitäranlagen in diesem riesigen Hafen liegen und der Weg dahin weit ist, brachten die Kinder die aufzuwaschenden Dinge per Schlauchboot. Allerdings erlöste ich sie vom Aufwasch, da sie sich lieber mit Stirnlampen ausstatten sollten, schließlich hatten wir bei der Fahrt zum Aufwasch das Abendrot bewundert. Ich wartete lange und war natürlich schon fertig mit allem, als zwei glückliche Kinder ohne Stirnlampen auf den Köpfen bei mir erschienen. Sie hatten eben 3 Stirnlampen aufs Dingi montiert: ein weißes Licht am Bug, ein rotes Licht an Backbord und eine mit einem grünen Klebestreifen beklebte Stirnlampe an Steuerbord - vorbildliche Seemannschaft!

Micha und mir klappte aber dann doch die Kinnlade runter, als Felix Johanna in völliger Dunkelheit ein kurzes Stück allein im Hafen mit Elektromotor Dingi fahren ließ. Unsere 9-jährige legte alleine ab, an und fuhr ohne Hilfe ihres großen Bruders komplett allein zum gegenüberliegenden Steg.

Momentan sprechen wir oft über die Biskaya-Überquerung. Sind wir wirklich schon so weit, es als Familie allein zu wagen oder sollten wir Mitsegler mitnehmen? Gestern erhielten wir von einem Stegnachbarn das Angebot, Hand gegen Koje, mitzusegeln. Bis jetzt zeichnet sich ab, das Micha nahezu allein steuern muß. Wir haben heute tatsächlich für Johanna und mich Antiseekrankheitsarmbänder gekauft. Felix ist zu 100% einsatzfähig, aber eben doch noch gerade dabei, den Kinderschuhen zu entwachsen. Wachen kann er noch nicht komplett allein übernehmen. Geplant war urprünglich eine Wachmannschaft bestehend aus Johanna und Micha, welche durch Felix und mich abgewechselt wird. Das bedeutet aber, das auch Felix und ich so lang durchhalten müssen, das zumindest Micha ausreichend Schlaf und Erholung bekommt, um wieder längere Zeit einsatzfähg zu sein. Unsere erste Bewährungsprobe steht in den nä. Tagen an. Wir warten derzeit auf ein günstiges Wetterfenster, die Strecke bis Brest anzugehen. Cherbourg - Brest in einem Ritt würde ca. 2 Tage dauern, sollte uns nicht die Tide wieder auf 0,x kn abbremsen. Selbst Zwischenstopps auf den Kanalinseln würden immer noch eine komplette Nachtfahrt für die restliche Strecke nach Brest bedeuten. Morgen planen wir zunächst, noch kleinere Reparaturen an der Triton vorzunehmen.

30.08.2019 Cherbourg/ Fr

Reaktivierung unserer Lebensgeister. 

Ausschlafen bis 12.00 Uhr, Felix fährt Schlauchboot im Hafen und spielt Minecraft in seiner Kabine, Micha schläft gleich wieder weiter, ich blogge und Johanna hängt jetzt über der Reling. Das ist eben ihre Variante zu sagen: es reicht. Wenn sie ausgeschlafen hat, ist in der Regel alles wieder gut und wir suchen uns etwas zum absolut verspäteten Frühstück in Cherbourg. An das englische Brot, welches wir noch als Notlösung in Yarmouth einkauften, will keiner von uns wirklich ran. Der Kühlschrank könnte auch wieder etwas Füllung vertragen und Micha hatte eigentlich schon von einem gigantischen Supermarkt mit riesiger Käse- und Fischtheke geschwärmt. Er mußte sich hier schon mal zu einem früheren Skippertraining verproviantieren.

29.08.2019 Yarmouth/ GB -> Cherbourg/ Fr (Solent -> Engl. Kanal)

Nochmalige Rücksprache wegen der Needles Passage mit unserem Päckchenlieger Tom, einem Segellehrer von BOSS (British Offshore Sailing School)  - und wir starteten 8.30 Uhr die Motoren zum Ablegemanöver. (Kurz davor hatte Tom unsere Johanna uns gegenüber sehr gelobt, wie ein so kleines zartes Mädchen ihm gestern beim Anlegen an unsere Triton völlig selbstverständlich die Leinen abgenommen und festgemacht hatte. Er war perplex.)

Eigentlich kippte die Tide erst 9.36 Uhr. Aber wir dachten, daß wir bis zur Needles Passage ja auch noch ein Stückchen des Weges vor uns haben und so eben eher losfahren. Kaum das wir den Hafen verlassen hatten, wurden wir jedoch eines Besseren belehrt. Der frühe Vogel fängt eben nicht immer den Wurm. Bereits vor der Hafeneinfahrt bremste uns der Strom trotz voller Motorunterstützung auf 1-2 kn Fahrt über Grund. Das Abbremsen des Stromes ließ erst nach der Needles Passage im freien Seeraum des engl. Kanals nach. Dadurch konnten wir zwar die Naturschönheit der Needles voll und ganz langsam genießen, aber auch die Fahrt durch die Overfalls gestaltete sich langsam und beängstigend. Jetzt wissen wir, was Overfalls sind: Verwirbelungen, Kabbelungen und zusätzliche Wellenbildung. Schon von weitem sieht man die kabbelige, aufgewühlte See und hofft nur, daß es nicht so schlimm wird, wie es aussieht.

Needles Passage achteraus,

recht voraus der freie Seeraum, Seitenwind 4-5 Bft, aber gefühlte 1-1,5m hohe Wellen: Vollzeug raus, Motoren aus und volle Fahrt mit 5-6,5 kn durch den engl. Kanal in Richtung Cherbourg. Unsere Zeithochrechnungen der Ankunft in Cherbourg, welche sich durch die langsame Needles Passage erhöht hatten, reduzierten sich wieder von zunächst 2.00 Uhr auf 22.30 Uhr. Micha stand vollkonzentriert am Steuer, die Kinder duselten vor sich hin und ich hatte mir einen festen Platz zum ... über die Reling gesucht. Ständig hoffte ich auf baldiges Abflauen der Wellen oder Ankommen im sicheren Hafen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne die Tide gemacht. 

Ca. 22 sm vor Cherbourg bremst uns der Strom auf 0,7 - 1,9 kn. Bei der restlichen Distanz konnten wir die Ankunftszeithochrechnung kaum glauben. Es war ja schon 18.50 Uhr, bevor wir diese Abbremsung erlebten! Also bedeutete das nun, dass uns die erste Nachtfahrt bevorstand. Die Kinder waren aufgeregt, Micha schon völlig erledigt und ich hing nach wie vor über der Reling.

Kurze Zeit später ging die Sonne unter und wir fuhren langsam mit den Motoren ohne Segel in eine mondlose, sternenklare und mittlererweile windstille Nacht. Über uns ersteckte sich die Milchstrasse und viele Sternbilder waren deutlich zu erkennen. Aber leider hatten wir für diese Schönheit keinen Blick. Felix schwatzte mit Micha und hielt diesen wach. Ich verließ nach wie vor meine sichere Ecke am Cockpittisch nicht und Johanna versuchte immer mal wieder mehr schlecht als recht im Salon zu schlafen.

Kurz vor der Hafeneinfahrt Cherbourg waren wir vier alle wieder hellwach. Felix übernahm seinen Platz in der Naviecke an den versch. elekronischen Seekarten (unserem Raumschiff Enterprise), Johanna wiederholte Felix' Navigationsanweisungen, die wir draussen aufgrund des Motorenlärms nicht immer verstanden. Micha und ich versuchten in dem Lichtergewirr von Cherbourg die Tonnen zu erkennen, die die Hafeneinfahrt begrenzten. Aber welches der vielen roten und grünen Lichter sollten wir ansteuern? Noch dazu befinden sich in Cherbourg vor dem Hafen eine Wand aus Forts. Bei einer geschätzten Sichtweite von 3 m, wären wir jedoch ohne Felix' Hilfe völlig ratlos gewesen. Wie wurde früher navigiert ohne Elektronik? Für uns nicht vorstellbar. Felix war Spitze. Welcher 14jährige Junge übernimmt schon komplett die Verantwortung für das Leben seiner Familie ohne fremde Hilfe?

Gegen 2.45 Uhr hatten wir dann die Leinen am Steg fixiert und konnten endlich in unseren Kabinen verschwinden. 

Fazit: Die erste Nachtfahrt ist geschafft. So schlimm, wie zunächst vermutet war es nicht. Wir müssen nur noch einen Wachrhythmus hinbekommen, sodaß auch Micha mal zur Ruhe kommen kann. Heute war er 20 h auf den Beinen, mehr als 18 davon hochkonzentriert am Steuer. Die Kinder beschlossen, daß sie mir in Cherbourg Antiseekrankheitsarmbänder kaufen. Wir kennen so etwas von Segelfreunden aus der dän. Südsee. Somit sollte der nächsten Nachtfahrt, dieses Mal hoffentlich wieder mit Sternhimmel zum Genießen nichts entgegen stehen.

28.08.2019 Yarmouth/ GB 

Nach einer unterbrochenen Nacht konnten wir uns gegen 11.00 Uhr an einen Schwimmsteg in der Marina verholen. Es herrschte extrem wenig Platz zum Rangieren, sodaß uns der Hafenmeister (Berthing master - ein solcher ist in großen engl. Häfen die rechte Hand des Hafenmeisters per Powerboot direkt im Hafenbecken) mit seinem Powerboot seitlich in die Box schob. Das hatten wir auch noch nicht! Anschließend an dieses Verlegemanöver gab es full traditional english breakfast im Inn aus dem 17. Jh. Wir wollten den Kindern unbedingt dieses kulinarische Erlebnis gönnen. Sie guckten schon etwas schief, als die ersten Frühstücksbestandteile aufgetischt wurde: Ketchup und braune Sauce. Später strahlten sie.

Während des Frühstücks lernten wir den engl. Filmhund "Dodge" kennen, welcher bereits zweifacher Meister einer jährlich stattfindenden Hundeshow (wahrscheinlich sogar mit weltweiter Beteiligung) war. Er soll schon in zahlreichen engl. Soaps, Filmen und Werbefilmchen mitgespielt haben. Zur Gestaltung des Tages fuhren wir mit einem Hop on/ Hop off - Bus nach Freshwater und zu den Needles, welche wir morgen umfahren werden.

 

Wieder in Yarmouth angekommen, verlangte uns alle erneut nach Cream Tea. Johanna wollte noch einen carrot cake essen und bestellte diesen sogar selbständig auf Englisch mit Felix' Unterstützung. Als sie mir freudestrahlend von ihrer Bestellung erzählte, erklärte ich ihr, dass carrot cake Möhrenkuchen sei. Ihr Gesicht schlief ein und wir mussten die Bestellung in letzter Sekunde noch in Schokoladenkuchen umwandeln. 

Zur Feier des schönen Tages fuhren die Kinder mit mir während des Sonnenunterganges im Dingi durch den Hafen und den Fluss Yar entlang.

Micha plante währenddessen den Törn für morgen: Needles Passage, Querung englischer Kanal mit Ziel Cherbourg. Die Needles Passage soll aufgrund extremer Flachs neben dem Fahrwasser und sogenannter Overfalls im Fahrwasser schwierig sein. Was so genau Overfalls sind, wissen wir auch nicht, wir werden es morgen herausfinden. Auf jeden Fall wurde uns bei mehrfachem Erkundigen geraten, die Needles Passage nicht bei Wind gegen Strom zu fahren, da sich sonst eine kurze steile (ca. 1m hohe) Welle aufbaut. Momentan pfeift der Wind in den Masten der Marina mit 4 Bft, welche lt. Wetterbericht ebenfalls morgen früh anliegen sollen. Oh je, wir hätten vielleicht heute doch nicht die Needles von oben sehen sollen?

Derzeit hängen sämtliche Handys, Funkgeräte und Powerbanks am Landstrom um für morgen vollständig einsatzbereit zu sein.

27.08.2019 Portsmouth/ GB -> Yarmouth (Isle of Wight)/ GB (Solent)

Aufgrund der schlechten, angespannten Stimmung der letzten Tage an Bord, entschieden wir uns heute, nur einen kurzen Schlag zu machen und Cream Tea in Yarmouth zu geniessen. Aber was war das für ein Tag wieder. Ein Abenteuer jagt das Nächste. An der Hafenausfahrt Portsmouth waren wir umringt von: Marine, Hubschrauber, Schnellfähren, normalen riesengroßen Fähren, Tankern, einer riesigen Flotte kleinerer Segel- und Motorboote (schließlich gilt der Solent als Segelmekka der Britten) und Hoovercraft. Da wir dachten, dass die Hoovercraft knapp vor uns durchgehen will, verlangsamten wir die Geschwindigkeit (wir fuhren 6 kn, die Hoovercraft 33 kn). Da die Hoovercraft aber hinter unserem Heck fahren wollte, drosselte sie eben wegen uns mal kurz die Motoren und lies uns passieren. Wenige Augenblicke danach führte die Marine Abbergungsmanöver mit Hubschrauberabbergung hinter unserem Heck durch. Und die ganze Zeit hatten uns noch Tanker, Katamaranschnellfähren und normale Fähren im Visier. Diese 18 sm waren im Nachhinein wesentlich aufregender als die Querung der Straße von Dover für uns.

Aber der Aufregung für diesen Tag noch nicht genug. Als wir Yarmouth erreichten, teilte uns der Hafenmeister per Funk mit, daß er keinen Platz im Hafen für uns hätte. Wir sollten eine Mooring vor dem Hafen nutzen. Ok, letztes Jahr hatten wir das schon einmal mit unseren Segelfreunden geübt. Nachdem wir an der Mooring fest waren, fuhr Felix zum Nachbarboot, um eine Seglerin um Mooringunterstützung und Kontrolle zu uns an Bord zu bitten. Es stellte sich heraus, dass Ihre Schwiegereltern vor 2 Jahren an der ARC teilgenommen hatten. Und wieder füllte sich unser überdimensionales Gästebuch an der Salonwand. (Wir haben im Salon ein ganz helles Foto der Triton 1,50 m x 0,50 m, worauf sich jeder Bordgast verewigen darf.) Heute gab es unseren ersten englischsprachigen Eintrag an dieser "Wand". 

Nach erfolgreicher Fixierung und "Abnahme" fuhren wir per Dingi nach Yarmouth und kehrten endlich in ein Inn (17. Jh.) bei Cream Tea ein. Perfekt! Danach folgte noch ein kurzer Rundgang durchs Städtchen. Am Dingisteg half Felix noch schnell einem älteren Herrn beim Anlegen. Als die Beiden daraufhin ins Gespräch kamen, stellte sich heraus, daß er 2015 die ARC mitgefahren ist.

Bei der Rückkehr zur Triton mußten wir voller Entsetzen feststellen, dass die Mooring-Boje unter der Triton war und vielleicht bei größerem Schwell den Rumpf beschädigen konnte. Also baten wir den Hafenmeister aus Yarmouth per Dingi um Hilfe. Nach längerem Betrachten unserer Situation und unserer ängstlichen Minen, bot er uns an, uns nahe dem Fähranleger verholen zu dürfen. Allerdings ist das kein Schwimmsteg, sondern die Leinen müssen entsprechend der möglichen Tide verlängert werden. falls unsere gesteckte Leine nicht reicht, hängt die Triton in der Luft und schabt an der Kaimauer, oder die Leine reißt. Tolle Aussichten! Die Kinder verständigten sich sofort zur Teilnahme an der Nachtwache. Derzeit läuft die erste Schicht. 

Damit ist klar, wir bleiben morgen hier und holen den entgangenen Schlaf der bevorstehenden Nacht nach. Unsere "Meilenjagd" verbessert sich damit nicht unbedingt, aber wir kommen vielleicht etwas zur Ruhe.

26.08.2019 Brighton/ GB -> Portsmouth/ GB (Engl. Kanal -> Solent)

Start in den Tag: Wasser in der Bilge im Steuerbordmotorraum. Nach einer Verkostung des leckeren Punsches aus Keilriemenabrieb, Ölresten und Wasser stellten wir keinen eindeutigen Salzwassergeschmack fest. So weit, so gut. Aber woher kommt im Motorraum Süsswasser? Innerer Kühlkreislauf? - Das wäre ein k.o.-Kriterium. Micha stellte nach vollständigem Verschwinden im Motorraum fest, daß unsere Außensüsswasserdusche, welche sich am Steuerbordheck befindet von dem Schlauch, welcher vom Abgassammler kommt und neu verbaut wurde, bekneift. Dadurch entstehen Spannungsverhältnisse und die bereits 20 Jahre alten Dichtungen bzw. der ebenso alte Schlauch der Außendusche haben diesen Spannungsverhältnissen nicht standgehalten. Lösung: Die Außendusche wird außer Kraft gesetzt und weiter geht die Reise.

Wieder Sonne satt und absolut kein Wind! Die Kinder waren wieder extrem kreativ und bauten sich eine Salszwasserdusche aus Müllbeuteln, welche sie im Cockpit aufhängten um während der Fahrt zu duschen. Nachdem ich nach der 10. oder 11. durchstocherten Mülltüte Einspruch erhob, bauten sie eben eine Gardena-Düse mit ein, sodaß fortan eine letzte Mülltüte mehrfach verwendet werden konnte.

Ansonsten war die Stimmung etwas angespannt. Durch den Zeitverlust von 4 Wochen Werftaufenthalten am Anfang unserer Auszeit, stellen wir uns schon oft die Frage, ob wir es noch rechtzeitig zu ARC-Beginn auf die Kanaren schaffen. Wir "jagen" die englische Küste entlang und nutzen nur die Abend- und Nachtstunden nach Ankunft in den jeweiligen Häfen, um noch ein bißchen die Umgebung zu erkunden. Am nächsten Morgen heißt es sofort nach dem Aufstehen wieder "Leinen los" und Meilen schruppen. Das ist insbesondere für mich sehr frustierend, da ich in längst vergangenen Urlauben in meiner Schul- und Studienzeit England lieben lernte und diese Begeisterung gern mit meiner Familie geteilt hätte. Aber dazu fehlt uns einfach die Zeit. Zudem sind die bisherigen Häfen Dover, Eastbourne und Brighton echt häßlich und riesengroß. Keine Idylle oder englisches Flair.

Auf den letzten Meilen nach Portsmouth wurde der Tag im letzten Licht noch sehr aufregend. Die Fahrt in den Solent hatten wir uns eher als ruhig vorgestellt und sogar überlegt, noch bis 22.00 Uhr nach Cowes auf der Isle of Wight durchzufahren. Gegen 19.00 Uhr entschieden wir, doch ins etwas nähere Portsmouth zu gehen. Die Entscheidung war sehr gut. Im Solent hatten wir es  mit Tankern und Schnellfähren zu tun. Und das in sehr engem Fahrwasser nach Portsmouth bei schwindendem Tageslicht. Kaum waren wir am Steg in Portsmouth fest, brach die Dunkelheit über uns herein.

 

25.08.2019 Eastbourne/ GB -> Brighton/ GB (Engl. Kanal)

Sonne satt, max. 2 Bft - die Südküste Englands zwischen Eastbourne und Brighton strahlte uns als weiße Felsenküste entgegen. (Beachy Head und die Seven Sisters) Die Kinder saßen während der Fahrt auf der Badeplattform und sorgten durch ihre Füße im Wasser für einen zusätzlichen Antrieb, da der Wind nur eine Geschwindigkeit unter Segeln von 2-3 kn zuließ.

In Brighton angekommen fuhren wir noch mit dem Bus zum Einkaufen ins Stadtzentrum. 

24.08.2019 Dover/ GB (Engl. Kanal) -> Eastbourne (Engl. Kanal)

Begleitet von Seehunden, Schweinswalen und ABBA-Musik zogen wir heute westwärts unsere Spuren durch den engl. Kanal bei Flaute und Sonnenschein. Die Küste lag die ganze Zeit in einen leichten Nebel gehüllt an unserer Steuerbordseite.

23.08.2019 Nieuwpoort/ B (Nordsee) -> Dover/ GB (Engl. Kanal)

Als wir heute früh die belgisch-französische Grenze überquerten, spielten wir auf dem Handy die Marseillaise ab. Nach kurzer Zeit überholte uns ein frz. Schlauchboot mit vielen kleinen Optimisten im Schlepptau. Die vielen Kinder in den geschleppten Booten winkten uns und riefen uns "Bon Voyage" zu. Aber dann begann das Gebiet um Dünkirchen: Industrie, Abgase, Kernkraftwerk - all das führte zu einer derartigen Smogwolke, die den gesamten Horizont abdeckte und bis weit auf See hinaus stank. Die ganze Fahrt entlang der belgischen und frz. Küste hatten wir Flaute.

Als dann das Verkehrstrennungsgebiet Dover/ Calais kam, breitete sich eine starke Anspannung an Bord aus. Jeder hatte seinen Posten und seine Aufgabe: Felix - an der Navigation im Salon, Johanna - mit dem Fernglas im Cockpit auf Beobachtungsposten, ich - am Steuerstand und Micha - ständig auf Achse zum Datenabgleich und zur Einflußnahme zwischen Felix und mir. Als wir das Trennungsgebiet mit den Passagen der großen Frachter verließen, begann der Tumult um die Hafeneinfahrt Dover mit den ständig verkehrenden Fähren. Gegen 18.00 Uhr (Ortszeit 17.00 Uhr) legten wir in Dover an. Kurz vor der Hafeneinfahrt legte sich Felix am Bug aufs Netz und beobachtete die Wellen unter sich. Nach gefühlten 5 Minuten wollte ich ihn auf ein querendes Kreuzfahrtschiff aus Nassau aufmerksam machen - keine Reaktion. Als Micha ihn dann wieder zur Navigation in den Hafen brauchte - keine Reaktion. Erst ein beherztes Rütteln zeigte, dass er tief und fest eingeschlafen war. Ja, die Anspannung ist schon wirklich immens. Jeder von uns bewältigt das auf seine eigene Art.

Wir haben es tatsächlich geschafft, wir erreichten auf eigenen Kielen mit unserer Triton Großbritannien. Die Ost- und Nordsee und auch die Engstelle des engl. Kanals, die Straße von Dover, liegt in unserem Kielwasser.

Nach dem nächtlichen Bloggen und dem Fish and Chips - Essen hörten wir uns noch die Hymne von Großbritannien "God save the queen" an, welche wir auf See mangels Internet beim Hissen der Gastlandflagge nicht laden konnten. Was sein muss, muss sein. 

22.08.2019 Nieuwpoort/ B

einfach ein schöner Tag in Nieuwpoort: Da wir früh gegen 7.00 Uhr noch zu müde zum Aufstehen waren, entschieden wir, einen Hafentag einzulegen. Auf dem morgendlichen Weg zu den Sanitäranlagen fanden wir 3-4 Seehunde auf der Slipanlage, die sich in der Sonne aalten. (Ja, es kam tatsächlich endlich mal die Sonne heraus!)

Felix erhielt im Westfront-Museum Geschichtsunterricht zum 1. Weltkrieg von Micha, Johanna und ich gingen nochmals ins Ortszentrum und schauten uns ausgiebig die Kirche an.

Nach Fisch- und Schokoladeneinkauf fuhren wir abends noch mit dem Dingi durch die Nieuwpoort-Marinas. (Verlaufen auf den Steganlagen)

Noch kurz ein Exkurs zum Leben im Gezeitenrevier: Die Steganlagen sind grundsätzlich Schwimmstege, welche sich mit der Gezeit nach oben oder unten bewegen, sodaß das Schiff fest mit dem Schwimmsteg vertäut werden kann. Sollte man allerdings bei Niedrigwasser mal etwas vergessen haben, gestaltet sich der Weg zurück zum Schiff und wieder an Land etwas mühsam: 

(Niedrigwasser Nieuwpoort)

Hochwasser (Nieuwpoort)

21.08.2019 Breskens/ NL -> Nieuwpoort/ B (Nordsee)

Der Tag 07.30 Uhr begann mit einem Marsch durchs Gewerbegebiet von Breskens und später noch durch den kompletten Hafenkomplex für mich. Ich war auf der Suche nach neuen Ersatzkeilriemen. In der dritten Firma wurde ich endlich fündig. Die Firma selbst gab mir zwar eine Absage, aber ein Mitarbeiter setzte sich kurzerhand ins Auto und fuhr binnen 10 Minuten zu einer vierten Firma, welche die gewünschten Keilriemen in zweifacher Ausführung vorrätig hatte. Gegen 09.30 Uhr war ich stolze Besitzerin von zwei neuen Keilriemen. Zurück an Bord, legten wir gleich in Richtung Belgien ab. Heute hat Johanna nahezu den gesamten Törn "gesteuert". Sie war vom Steuerstand nicht wegzubekommen. Da sie aufgrund Ihrer Größe aber noch nicht den Rundumblick im Sitzen schafft, stemmt sie sich alle 30 Minuten im Steuerstuhl hoch. 

Die belgische Küste besteht nur aus Bausünden a la Dresden Prohlis/ Gorbitz oder Ähnlichem. Mit dem letzten großen Hafen Nieuwpoort erreichten wir dennoch ein nettes Städtchen mit schönem Altstadtkern. (Seehund im Hafengebiet, Kirche mit wunderschöner Chormusik, Suche nach einer Patisserie)

Zum Ausklang des Tages aßen wir Paella an Bord und gönnten uns belgische Schokolade als Nachtisch.

Übrigens in Breskens standen rote Pinguine als Kunstwerk im Hafenbereich und in der Innenstadt verteilt. Als wir ein Bild von einem roten Pinguin mit unseren Kindern an Freunde versandten, kam die Retoure: Aha, Anke hat gesteuert. Naja, zu Hause war immer unser Slogan, daß die Familie annimmt, dass wir Grönland oder die Antarktis entdecken, wenn ich steuere. Ich kann es nicht verhehlen, einen permanenten Links- oder Rechtsdrall zu haben, wenn ich steuere. Also ja, als wir die Pinguine entdeckten, war ich kurzzeitig am Steuer. Da Micha jedoch wieder erfolgreich korrigierte, entdeckten wir doch nur die rote Variante aus Breskens und nicht die Originale weitaus südlicher.

20.08.2019 Veere/ NL (Staande Mastroute) -> Breskens/ NL (Nordsee)

Wow, was für ein Tag! Heute früh verabschiedeten wir uns von der Kia Ora in der Hoffnung, sie bald in südlicheren Gefilden wieder zu sehen. Dann kam schon die erste Grenzerfahrung des Tages: Schleuse Veere Die Triton ist 6,60 m breit. Mit beidseitig ausgebrachten Fendern bringen wir es wahrscheinlich auf eine Breite von ca. 7 m. Als wir in die Schleuse Veere einfahren wollten, versicherte sich zunächst die Schleusenwärterin, später auch nochmal wir, bzgl. unserer Schiffsbreite. Die Schleusenbreite betrug 7,45 m. Das war eng! 

Diese erste Schleuse des Tages war geschafft, schon erreichte uns in Middelburg ein langer Piepton. Er kündigte den Ausfall des Steuerbordmotors an. Das Problem bestand darin, dass die Motortemperatur zu hoch war. Aufgrund eines gerissenen Keilriemens der Seewasserpumpe, war der äußere Kühlkreislauf des Motors ausgefallen. Als Micha des Keilriemen mittels vorhandenem Ersatzteilelager wechseln wollte, mußten wir feststellen, dass trotz gleicher Umfangsangabe des Keilriemens einmal der Innenumfang und das andere Mal der Außenumfang des Keilriemens gemeint war. Nun war guter Rat teuer. Unsere Ersatzkeilriemen passten nicht und der Marineshop des Ortes hatte die passende Größe nicht vorrätig. Selbst mit super toller Hilfe aus Nossen kamen wir nicht weiter. Zufällig hatte sich die Kia Ora - Crew aus Veere ein Mietauto organisiert und wollten nach Vlissingen fahren. Da lag also Middelburg auf dem Weg. Klasse, Hilfe war nah! Die 3 Kia Ora'ler fuhren mit mir quer durch Middelburg, um in einem Autoteilebedarf nach dem Keilriemen zu forschen. Erfolg! Als ich glücklich den einzigen verfügbaren Keilriemen dieser Größe zur Triton brachte, verbaute ihn Micha sofort und wir konnten wieder ablegen. 

Noch einige Brückenöffnungen und eine letzte Schleuse in Richtung Nordsee standen uns bevor. Von Brücken und Schleusen haben wir nun wirklich nach gefühlten 50 Brücken und 10 Schleusen genug. Aber die letzte Schleuse sollte noch ein besonderes Bonbon für uns bereit halten. Felix vermeldete eine Breite laut elektron. Seekarte von 7,03 m! Die Schleusenwärter wollten uns die benachbarte Schleuse der Großschifffahrt aber nicht öffnen, sondern sagten mehrfach per Funk völlig relaxt, das alles passen würde. Als wir diese letzte Engstelle passiert hatten, entrang sich unseren Kehlen eine lauter Befreiungsschrei der vergangenen Anspannung.

Da zeitlich unser eigentliches Tagesziel Belgien nicht mehr möglich war, entschieden wir nach Breskens zu gehen. Micha gestand mir erst im Nachhinein, dass er schon auf der Seekarte vor diesem Schlag mächtig Respekt bekam. Die großen Frachter aus Antwerpen und anderen Gebieten nutzen dieses Fahrwasser. Dieses Mal existiert jedoch keine Funkunterstützung, wie in Rotterdam bei der Querung der Maasmündung. Das hiesige Fahrwasser war extrem breit und nicht richtig einzusehen, wo es verläuft. Dazwischen querte noch ein Hochgeschwindigkeitskatamaran unseren Weg. Ein Frachter entschied sich kurz vor uns zu einer 360 Grad - Drehung, sodaß wir ständig seinen Bug sahen. Ein Flachwassergebiet mit 0,20 m Tiefe lag nahezu mitten im Fahrgebiet. Wir hatten zeitgleich mindestens 10 Frachter aus allen Richtungen, die uns alle aufs Korn zu nehmen schienen. Felix navigierte uns wieder absolut souverän durch diesen Hexenkessel. Danach waren wir aber alle 4 völlig fertig und schafften es nicht mehr ohne fremde Hilfe im Hafen Breskens anzulegen. Eine Erfahrung der besonderen Art!

Das kleine komplett schwarze Schiff in der Mitte unserer AIS-Anzeige auf dem Plotter sind wir. Alle anderen großen Dreiecke sind andere Schiffe. (AIS = Automatically Identification System) Man sieht in dem Momement den Kurs, die Gechwindigkeit und den Namen den Schiffes, geht man mit dem Cursor auf die einzelnen Dreiecke. Plant jedoch ein Fahrzeug seinen Kurs oder seine Geschwindigkeit zu ändern, sieht man das nicht. Einen so ähnlichen Bildschirm sieht Felix in der Navi-Ecke. Nur sind auf seiner Anzeige noch pro Schiff Kurslinien angeführt. Als ich zwischendurch mal kurz bei ihm war und seinen Bildschirm sah, fragte ich ihn nur noch, wer eigentlich wir in seinem Strickmuster sind und wie er da noch durchsieht. Klasse, der Junge! Zur Feier des Tages boten wir ihm an, bei einem wunderschönen Abend im Cockpit seinen ersten Schluck Wein mit uns zu probieren. Unsere beiden Kinder waren einfach glücklich wegen der überstandenen Anspannung des Tages und dem schönen Abend zu viert.

19.08.2019 Wolphaartsdijk/ NL -> Veere/ NL (Staande Mastroute)

Ablegen bei stärkerem Wind, Kurztörn bis Veere

Es folgte ein sehr geselliger Nachmittag und Abend in Oostwatering bzw. Veere mit den Besatzungen der Kia Ora und der one wave ahaed. Zwischendurch schauten wir uns als Familie noch Veere an. 

18.08.2019 Stellendam/ NL -> Wolphaartsdijk/ NL (Staande Mastroute)

Wieder haben wir uns für die Staande Mastroute aufgrund des Wetters entschieden und hofften so bessere Wellenbedingungen als auf der Nordsee vorzufinden. Der Plan war gut, allein die Umsetzung brachte so einige Tücken.

1. Schleusen mit der Berufsschiffahrt, da die Brücke über der Yachtschleuse eine zu geringe Durchgangshöhe für uns aufwies. Das merkten wir allerdings erst, als wir schon fast in der Yachtschleuse drin waren.

2. insgesamt heute 3 Schleusen (2 davon mit der Berufsschiffahrt)

3. Kurz vor der 3. Schleuse frischte der Wind auf fast 8 Bft auf, sodaß das Anlegen in der Schleuse und das schlußendliche Anlegemanöver in Wolphaartsdijk zu einer Zerreissprobe für die Nerven wurden.

In der 1. und 2. Schleuse wurden wir mit einem neuseeländischen Boot geschleust, welches über Nordkanada per Nordwest-Passage (gefürchtete Eispassage) nach Europa gekommen ist. Wir lagen bei dieser Yacht im Päckchen, während vor uns ein Frachter während der ganzen Schleusung seine Motoren anließ. Damit bildete sein Schraubenwasser einen erheblichen Schub.

4. Verfolgung durch einen Frachter, der uns immer weiter vom Tonnenstrich nach außen drängte, obwohl neben dem Tonnenstrich eine für uns zu geringe Wassertiefe herrschte.

5. Fast-Kollission mit einem anderen Boot. Wir fuhren im Fahrwasser ganz auf der rechten Seite. Ein Boot im Gegenverkehr hätte im Fahrwasser eigentlich seine rechte Seite nutzen müssen, kam uns jedoch frontal auf unserer Seite entgegen. Micha konnte nur noch ein Manöver des letzten Augenblickes durchführen.

Für Johanna brachte der Abend einen besonderen Höhepunkt: ein Videoanruf mit ihrer besten Freundin zu Hause. 

17.08.2019 Stellendam/ NL

Es ist kaum zu glauben: Wir schliefen bis 12.00 Uhr! Danach fuhren Micha und ich per Marinafahrrädern ins Dorf zum Supermarkt und mußten unterwegs auf die Querung des Fahrradweges von Hühnern und Hähnen achten. Die Kinder vergnügten sich währenddessen mit Dingi und Paddelboot im Hafen. Anschließend gingen wir zum Vogelobservatorium, um auf eine ganz friedliche Bucht mit unzählig vielen Vögeln zu blicken. Am Abend legten wir nochmal zu viert per Dingi und Paddelboot ab und fuhren in den Sonnenuntergang hinein.

16.08.2019 Scheveningen/ NL -> Stellendam/ NL (Nordsee)

Ein furchtbarer aber trotzdem genialer Tag! 3.30 Uhr standen wir auf, um 4.15 Uhr in der Dunkelheit den sicheren Hafen Scheveningen zu verlassen. Uns empfing nach der Hafenausfahrt eine starke Nordseewelle, die wir aufgrund der Dunkelheit erst spät erkannten, aber stark fühlten. Es war einfach furchtbar für mich. Felix hatten wir mit geweckt. Er navigierte uns per Rechner vom Navitisch unter Deck aus wieder bravourös durch die Nacht. Johanna wollte unbedingt mit aufstehen. Als dann jedoch die Welle vor dem Hafen stand, klammerte sie sich an zwei Teetassen, welche auf dem Cockpittisch standen. Als sie dann vor Angst, aufkommender Seekrankheit und Müdigkeit einschlief, zog sie die Tassen einfach zu sich und verkippte den Inhalt über unsere liebgewonnenen NV-Papierseekarten, welche immer zu Navigationszwecken im Cockpit bereit liegen. Irgendwann zeichneten sich die ersten Sonnenstrahlen am Horizont ab und  die Müdigkeit übermannte auch unseren Navigator unter Deck. Er schlief auf den Salontisch gelehnt ein.

Warum waren wir zu so nachtschlafender Zeit aufgebrochen? Heute stand die Querung des Verkehrstrennungsgebietes Rotterdam an. Dieses wollte Micha unbedingt bei Tageslicht tun. Da das angesagte Wetterfester aber nur bis ca. 11.00 Uhr halten sollte und die Törn für 6 h angesetzt war, mussten wir eben zeitig los.

Für die Querung Rotterdam steht der Sportschifffahrt ein eigens kleines Verkehrstrennungsgebiet von 5 sm zur Verfügung. Da wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kn rechnen, müssen wir also für diesen Bereich 1 h einplanen. Und dann kamen sie, die großen Pötte mit 12 kn oder 18 kn. Einer nach dem anderen waren sie am Horizont schon weithin sichtbar aufgereiht, wie auf einer Perlenkette. Als wir in das 5 sm - Gebiet einfuhren, meldeten wir uns bei "Maas Center" per Funk an und baten um Querungsunterstützung. Ab dann wurden wir per Funk gelotst. Uns wurde mitgeteilt, welche Schiffe wir noch vorbeilassen sollten, um dann hinter deren Heck Geschwindigkeit aufzunehmen um zu queren. Felix weckten wir natürlich für diese Aktion. Er navigierte wieder richtig gut.

Irgendwann war es geschafft, und wir schafften es nur noch bis Marina Stellendam, die wir gegen 12.30 Uhr erreichten. Da ich unterwegs wieder etwas out of order war, konnte ich keinen Frühstücksservice bieten. Alle anderen Crewmitglieder waren ja mit Navigation und Steuern bei äußerster Anspannung beschäftigt. Insofern frühstückten wir nach erfolgreichem Anlegemanöver und wiederholter Inanspruchnahme eines Motortechnikers gegen 14.00 Uhr. Danach holten wir bis ca. 18.00 Uhr den nötigen Schlaf nach und jetzt (21.15 Uhr) sind wir schon wieder müde. Morgen werde ich dann auch wieder einige Fotos für die vergangenen Tage in den Blog setzen, wozu ich jetzt einfach zu müde bin.

Ja, wir brauchten wieder einen Motortechniker, da unser Steuerbordmotor fast während jedes Anlegemanövers ausging. Micha hatte schon den Seewasserfilter gereinigt und die Keilriemen nachgezogen, aber in jedem Hafen das gleiche Spiel - ein langer nerviger Piepton, welcher ankündigt, dass der Motor keine Lust zum Anlegemanöver hat. Der heutige Mechaniker erhöhte uns die Drehzahl für den Leerlauf. Beim danach folgenden Verlegen in eine Box, machte der Motor mit.

Unsere Erkenntnis des heutigen Tages: Nachtfahrten werden wir wieder angehen. Das nächste Mal fahren wir in die Nacht und werden einen Wachplan aufstellen, aber nicht wieder so zeitig aus der Nacht rausfahren.

15.08.2019 Scheveningen/ Den Haag NL

Schon lange zeigten unsere WetterApps für heute zuviel Wind und Regen an, was uns zum nochmaligen Bleiben veranlaßt. Wir sehnen uns endlich nach der Wärme. Die Triton hat zwar eine Heizung, diese ist jedoch nur teilweise installiert, sodaß wir sie nicht nutzen können. Die Heizungsschläuche verlaufen quer durch die Motorräume. In den ersten Wochen waren aber die Motorräume die ständigen Aufenthaltsorte von Mechanikern, die die Heizungsschläuche zertreten hätten, um freien Zugang zu den Motoren zu haben. Also bauten wir sie kurzerhand ab. Den Mechanikern half dieser freie Raum sehr. Nur leider sind die Schläuche so platzraubend und schlecht rollbar, dass wir uns entschieden, sie doch in Arnis zu lassen bzw. nach Nossen zurückzusenden. Wir dachten doch tatsächlich, dem Sommer hinterherzufahren und in die Wärme zu kommen. Aber hier herrschen nun wirklich niedrige Temperaturen. Naja, da müssen wir eben mehrere Schichten übereinander anziehen, bis wir wieder die Wärme der Sonne spüren dürfen.

Heute habe ich doch tatsächlich sämtliche Waschmaschinen des Hafens im Dauerlauf beschäftigt und Micha hat die Tanks für die nächsten Tage aus den Kanistern gefüllt. Der Wind ist einfach zu stark, um mal kurz abzulegen, am Tankschiff anzulegen und unseren sicheren Platz danach wiederholt anzusteuern. 

14.08.2019 Scheveningen/ Den Haag NL

Wir fuhren wie geplant nach Rotterdam, nur eben nicht auf eigenen Kielen, sondern mit dem Zug. Das Wetter macht uns derzeit echt zu schaffen. Ein Tief jagt das andere. Sofern wir einen schönen Segelwind hätten, kommt er genau von gegenan. Oder es regnet zu allem Verdruß. Aber eins ist immer gewiß: es ist kalt. Wir prüfen ständig 2 verschiededne WetterApps, um zu entscheiden. Aber irgendwie ist diese Informationsflut der pro Windstufe unterlegten Farben zuviel Information. Wir sind schon ganz kirre, wenn sich eine Windfront wieder gelb und später orange einfärbt. Für diesen Tag trafen wir insofern die falsche Entscheidung. Wir hätten rausgehen können. Dennoch war es ein sehr schöner Tag per Bus/ Zug und zu Fuß in Rotterdam. Ein tolles Erlebnis, welches man in Rotterdam nicht missen sollte, ist es,Wassertaxi zu fahren. 

Wir hoffen nun am Freitag (in zwei Tagen) wirklich unsere Strecke fortsetzen zu können.

13.08.2019 Scheveningen/ Den Haag NL

Der Plan: Besuch von Eduard von der Hasenpleite (Scheveningens größtem Pinguin im Sealifecenter). Diesen Namen und eine kleine Geschichte dazu dachte ich mir gestern aus, um Johanna von ihrer Seekrankheit abzuhalten. Als wir Felix davon erzählten, googelte er gleich, wer das denn sei und ob der wirklich existiert.

Anschließend Kunst/ Architektur und Sozialkunde in Den Haag.

Das Ist: SeaLife Center Scheveningen, per Straßenbahn ins Zentrum von Den Haag -> Besuch von Parlament und der Gemäldegalerie im Mauritshaus, zu Fuß bis Friedenspalast (Sitz internat. Gerichtshof),

Einkauf in Scheveninger Supermarkt mit selbstscannen der Produkte während des Einkaufs

Anschließend überredeten wir Felix noch zu einem dringend notwendigen Friseurbesuch in Mr. Sams Barbershop, Scheveningen. Er kam als Kind ins Friseurgeschäft und verließ es als junger Mann. Erstaunlich, mit welcher Hingabe dieser Herrenfriseur seiner Berufung nachging. Johanna sagte: "So kenne ich den Felix gar nicht."

Bis 23.44 Uhr diskutierten wir noch mit unseren Päckchenliegern, ob wir morgen rausgehen sollten oder nicht. Das Wetter ist derzeit sehr sehr unstet. Wenn wir uns morgen früh nicht doch noch umentscheiden, steht uns die Querung des Verkehrstrennungsgebietes Rotterdam bevor. Die Funkgeräte zum ständigen Funkkontakt mit der Aufsicht über den Rotterdamer Verkehrsraum sind geladen.

12.08.2019 Zaandam/ NL -> Ijmuiden/ NL (Staande Mastroute)

Sind heute früh in Richtung Nordsee rausgegangen. Nun warten wir in Ijmuiden auf die ablaufende Tide und den Rückgang der Gewitterböen, um noch bis Den Haag weiterzufahren. Auf dem Nordseekanal nach Ijmuiden versuchten wir einen großen Tanker zu überholen, nachdem wir ihn per Funk auf unser Überholmanöver aufmerksam machten. Als wir dessen Spitze nach fast 30 Minuten knapp erreicht hatten, gewann er jedoch an Fahrt und wir fielen wieder hinter ihn zurück. Zwischendurch drängte sich noch ein kleinerer Tanker und ein Zollfahrzeug zwischen dem Tanker und uns hindurch, wodurch wir mit deren Schwell und der Ufernähe zu kämpfen hatten. Der Nordseekanal war sehr beeindruckend: über uns die Flugzeuge von und nach Amsterdam, unter uns kurzeitig die Autobahn und die ganz großen Tanker aus Amsterdam direkt neben uns.

Ijmuiden -> Scheveningen/ Den Haag  NL  (Nordsee)

Nach einem kurzen Mittagsstop liefen wir wieder aus, um kurz vor der nächsten Regen- und Gewitterfront in Scheveningen anzukommen. Der Schwell an der Hafenausfahrt Ijmuiden war mächtig. Sofort meldeten sich der Navigator (Felix) und die Steuerfrau (Johanna) schlafend und seekrank vom Dienst ab. Da auch mir wieder nicht ganz wohl war, blieb dieses Mal nur Micha allein übrig, der vollkonzentriert das Steuer und die Navigation übernahm. Nach den ersten paar Metern Nordsee schaute uns noch lange eine Robbe vom Wasser aus nach, welche zunächst gefühlte 3 m neben der Triton auftauchte. Die ganze Fahrt begleitete uns eine dunkle Front. Kurz vor der Hafeneinfahrt Scheveningen hatte sie bereits Rotterdam voraus vollständig eingehüllt. Wir konnten nur noch hoffen, dass das Anlegemanöver ohne Windböen verläuft. Der Hafenmeister in Ijmuiden hatte Böen bis zu 40 kn angekündigt. Die ersten Tropfen fielen auf uns, als wir die Leinen bereits fest hatten und nur noch optimierten.

Nach einem späten Nachtmahl fielen wir gegen Mitternacht in Tiefschlaf. Nun zumindest vermutete ich, dass das für uns alle 4 zutraf. Aber Felix weckte mich nochmal, nachdem er stolz berichtete, dass neben uns noch ein Segler ins Päckchen gegangen ist, welchem er das Leinenhandling abgenommen hat.

11.08.2019 Zaandam/ NL

Felix baute am Morgen wieder eine Segelausrüstung fürs Dingi und segelte damit durch den Hafen. Der Bootshaken war der Mast, die Pinnenverlängerung der Baum, Müllsäcke bildeten die Segel und Rollen dienten dem Hissen und Einholen. Nach einem kurzen Probetörn noch Johanna eingeladen und los gings.

Nachmittags Ausflug nach Zaanse Schans

10.08.2019 Zaandam/ NL

Schwerer Sturm mit max. 49 kn Windgeschwindigkeit (10 bft) am Liegeplatz - Wir brachten 7 Leinen aus und mußten sogar noch den benachbarten Fahnenmast vom Steg mit 2 Leinen sichern.

09.08.2019 Lemmer/ NL -> Zaandam/ NL 

Heute früh überlegten wir sehr lange, ob wir ablegen oder nicht. Zwar waren die angekündigten Windverhältnisse optimal, jedoch saß uns ein drohender Sturm im Nacken und es goß wie aus Kannen. Dazu fiel es den Jungs sehr schwer, sich zu trennen und die Hotze-Besatzung war sogar noch früh bei uns an Bord, um uns nochmals zu verabschieden. Gegen 09.30 Uhr starteten wir dennoch das Ablegemanöver und fuhren dem Regen entgegen. Mit Vorsegel und max. 6,8 kn zogen wir zunächst bei Ost-, später bei Südwind unsere Spur durch Ijssel- und durchs Markermeer.

Als sich dann unwiderruflich der Hunger meldete, kochte ich das erste Mal unterwegs an Bord. Die Zubereitung des Essens gestaltete sich zunächst einfacher als gedacht. Aber wer schon mal versucht hat, Spaghetti mit Gulasch zwischen zwei Kochlöffeln in eine Schüssel zu transportieren, während sich die Schüssel kurzerhand weg bewegt, weiß, was dann passiert. Die Spaghetti lernen fliegen und der Gulasch hinterher. 

Gegen 17.30 Uhr erreichten wir die Brücke und Schleuse Amsterdam/ Markermeer. Das Ijsselmeer lag hinter uns. Bis 18.00 Uhr mußten wir noch auf die Brückenöffnung und Schleusung warten, sodaß wir kurz vor 19.00 Uhr unser Tagesziel, die Marina Amsterdam erreichten.

Der Wind nahm mittlererweile schon etwas zu und uns erreichten von zu Hause die ersten Sturmwarnungen für Amsterdam für morgen. Um uns in der Marina anzumelden, rief ich kurz vor Eintreffen den Hafenmeister an und bat um Zuweisung eines Platzes. Dieser gab uns jedoch unmißverständlich zu verstehen, daß er keinen Platz für uns hätte. Wir fuhren dennoch kurzerhand hinein und fanden an einem Motorboot als Päckchenlieger Platz. Als ich dann bei Hafenmeister das Liegegeld entrichten wollte, verwies uns dieser des Platzes. In dieser Marina wäre Päckchenliegen nicht erlaubt. Wir sollten sofort trotz langen Segeltages und Sturmwarnung den sicheren Hafen verlassen. Wir waren entsetzt. 

Das benachbarte Motorboot gab uns den Tipp, es in Zaandam zu versuchen. Ich rief an und erreichte einen sehr netten Hafenmeister, welcher extra für uns noch einmal von zu Hause aufbrach, um uns in seinem Hafen zu begrüßen und die Leinen entgegen zu nehmen. Hier liegen wir nun, hoffentlich sicher vertäut, in einer sehr kleinen Marina, umgeben von Booten im Charme der 70er Jahre und fühlen uns willkommen. Gegen 21.00 Uhr erreichten wir den Hafen. Gerade als wir alle Leinen ausgebracht hatten und der Landstromanschluß gelegt war, ging ein Vorbote des kommenden Unwetters über uns nieder. 0.16 Uhr sind nochmals alle Leinen kontrolliert, sämtliche lösbaren Teile festgebändselt und nun harren wir der Dinge, die hier kommen. 

08.08.2019 Sneek/ NL -> Lemmer/ NL (Ijsselmeer)

Die Kanäle werden größer und die Brücken bieten mehr Durchfahrtsbreite, aber auch längere Wartezeiten. Bei dem vorherrschenden Seitenwind werden dadurch die Wartezeiten für uns immer schwieriger beherrschbar. Mittlererweile entschließen wir uns eben zu einem kurzen Anlegemanöver, sofern dies möglich ist, statt Runden zu drehen, um auf die Brückenöffnungen zu warten.

Kurz vor der Hafeneinfahrt Lemmer gerieten wir in eine Regatta von Plattbodenbooten. Das sah großartig aus. Als jedoch einige Plattbodenboote aus dem Startbereich Kurs auf das Regattafeld nahmen, fühlten wir uns regelrecht im Weg, während wir dem Fahrwasser in die Hafeneinfahrt folgten.

In Lemmer angekommen, stellten wir fest, dass die Partykarawane von Sneek weitergezogen war. In Lemmer steppte de Bär. Die Stadt war außer Rand und Band. Die 3 Kinder wollten mit Micha durch die Schleuse in die Kanäle der Innenstadt fahren. Da begann es jedoch:"the sluis is on fire" - Gesang eines Partybootes und die Schleuse war ca. 1 h besetzt. Jegliche Schleusung war unmöglich. Sämtliche Boote - große und kleine - woolten zeitgleich mit dem Partyboot in die Schleuse.

Es herrschte einfach eine Bombenstimmung, welche sich noch durch ganz Lemmer zog- Lemmer week! Die Jungs waren später noch allein bis Mitternacht per Dingi oder zu Fuß in Lemmer unterwegs und genossen es sehr. Wir drei Großen (von der Triton und der Hotze) verbrachten mit Johanna einen sehr schönen geselligen Abend zunächst in Lemmer und später an Bord der Triton. Liebe Hotze-Besatzung: es waren wundervolle Tage mit Euch, danke!

07.08.2019 Leeuwarden/ NL ->  Sneek/ NL (Staande Mastroute)

Ein weiterer Tag in den Kanälen der Niederlande mit Sturzregen und Warten vor den Schleusen ist zu Ende. Die Kanäle und Brücken wurden heute allerdings etwas breiter. Der erstaunlichste Streckenabschnitt bestand darin, mittels Aquädukt per Segelboot oberhalb einer Landstraße und Autobahn unterwegs zu sein, während unter uns die Autos und Lkw's fuhren. 

In Sneek waren wir am Abend zu dritt (mit Andreas von der Hotze) auf einem Staßenfest und endeten bei Kaffee und Tee im Szeneviertel gegen 23.30 Uhr. Die Kinder waren kurz zuvor noch zu dritt per Dingi durch die Kanäle der Stadt getourt. 

Gerade schaffen wir noch auf der Triton einen Mückenfriedhof, da die Kinder an Bord die Türen und Fenster bei voller Beleuchtung auf ließen, während wir noch auf dem Straßenfest unterwegs waren. 

06.08.2019 Lauwersoog/ NL -> Leeuwarden/ NL  (Staande Mastroute)

Da dachten wir doch tatsächlich, Kanalfahren sei unproblematisch. Aber wir rechneten nicht damit, daß es die Brückenöffnungen tatsächlich in sich hatten. Die ganze Zeit fuhren wir in einem Konvoi von mindestens 10 Booten. Mitunter mußte dann der Brückenwart erst alle Boote beider Richtungen durchlassen, bevor er die Brücke schließen konnte, sein Fahrrad schnappte, um zu Brücke Nr. 2 zu radeln und diese für beide Richtungen nacheinander zu öffnen. Die Triton ist 6,60 m breit, die Brücken ließen heute nur eine Durchfahrtsbreite von max. 8 m zu. (Das sind pro Seite gerade mal 70 cm Luft. Das Steuern bei Seitenwind gestaltete sich dadurch anspruchsvoll.)

Zusätzlich lernten wir, in den Kanälen nicht nur auf Breite, Tiefe, Windverhältnisse und Geschwindigkeit zu achten, sondern ab sofort müssen wir auch noch die Ausladung der Bäume am Kanalrand mit betrachten. Als wir auf eine Tankstelle zufuhren, war uns doch tatsächlich eine Weide im Weg und wir sorgten mit unserem Vorstag schon mal für den diesjährigen Weihnachtsbaum (dieses Mal eben der Teil einer Weide), welcher direkt in unserem Dingi landete.

Dann war da noch die Geschichte der zwei verlorenen Bootshaken. Mitten in der ersten Schleuse, drängte uns der starke Seitenwind immer wieder von der Schleusenmauer weg. Mit dem ersten Bootshaken versuchten wir die Schleusenmauer zum Festhalten zu erreichen. Der Arm wurde jedoch lang und länger und der Bootshaken verhakte sich, sodaß nur noch Loslassen übrig blieb. Der zweite Bootshaken, den wir sofort nach Verlust des Ersten aktivierten, erlitt das gleiche Schicksal und schwamm in der Schleuse. Ein Motorboot, welches hinter uns lag, angelte uns Nr. 2 aus der Schleuse und Nr. 1 von der Wand. Beide Bootshaken nahmen wir dankbar entgegen und verstauten sie wieder an ihren Plätzen auf der Triton. 

Aber das erstaunlichste Erlebnis des Tages war menschlicher Art. Gestern schrieb ich noch von einer Kontaktaufnahme einer deutschen Familie mit uns, welche ebenfalls dieses Jahr an der ARC teilnehmen will. Heute lagen wir beim Warten auf eine Brückenöffnung mit dem Bruder des Familienvaters eben dieser Familie und dessen Sohn im Päckchen (die Besatzung der Hotze). Den Rest des Tages und des heutigen Törns verbrachten wir dann gemeinsam. Auch die Kinder fanden sofort Kontakt. Solche Begegnungen machen unser Abenteuer zu dem, was wir uns im Vorfeld darunter vorstellten.

05.08.2019 Lauwersoog/ NL -> Lauwersoog/ NL (Staande Mastroute)

7.00 Uhr Schleusung ins Lauwersmeer, wo für uns morgen die Staande Mastroute beginnt.

Dieses Binnenwasserstraßensystem durch die Niederlande heißt so, weil man überall mit stehendem Mast entlang fahren kann. Allein morgen werden wir auf den ersten 30-40 km ca. 20 Brückenöffnungen erleben. Mal sehn, wie das klappt und wie wir dabei vorankommen. Allerdings hoffen wir so auch die Niederlande lieben zu lernen. 

Heute verbrachten wir einfach einen faulen Hafentag in Lauwersoog.

Momentan nehmen immer mehr Familiencrews der ARC (Atlantic Ralley for Cruisers) mit uns Kontakt auf, um uns bereits im Vorfeld der gemeinsamen Atlantiküberquerung kennenzulernen und die Kinder zusammenzuführen. Gestern war es eine dänische Familie, welche ihre Kontaktdaten und geplante Route mitteilte, heute eine Deutsche. 

04.08.2019 Norderney/D -> Lauwersoog/ NL  (Nordsee)

Juchhuu - 22.23 Uhr in den Niederlanden angekommen! Die heutige Fahrt startete zunächst mit ähnlichen Seegangs- und Windverhältnissen wie gestern, jedoch ohne Seekrankheit. Ein wunderschöner Fahrtag!

Die Einfahrt in die Marina verlief ca. 2 h entlang eines teilweise beleuchteten Fahrwassers zur Sonnenuntergangszeit. Wir zwei Großen versuchten die Betonnung in der Realität zu erahnen, Felix navigierte bravourös von der Navigationsecke aus per Computer und Funkgerät und Johanna strich sämtliche passierten Tonnen auf der Papierseekarte ab. Wir waren ein richtig gutes Team.

Nun liegen wir glücklich und müde am Schleusensteg der Robbengatsluis in Lauwerskoog, um ab morgen in den Bereich der Staande Mastroute einzufahren. Da wir hier eben direkt am Schleusensteg liegen, müssen wir morgen 07.00 Uhr geschleust werden. Danach verholen wir uns wahrscheinlich erstmal in die nächste Marina und schlafen aus.

Die Nordsee liegt hinter uns.

03.08.2019 Cuxhaven/D -> Norderney/D  (Elbe/ Nordsee)

Mit Robbenalarm und Bordunterrichtsausfall wegen an Seekrankheit erkrankter Lehrkraft liefen wir heute von Cuxhaven nach Norderney aus. Bei der morgendlichen Kontrolle des Motorraumes vor Start fanden wir einen Tropfen Öl in der Nähe des Saildrives -> Herzstillstand! Wir glaubten einfach fest daran, dass dieser Tropfen nur von den Werftarbeitern vergessen bzw. verschüttet wurde, da wir keine Leckage erkennen konnten und starteten. 

Felix erhielt sofort das Steuerrad und übernahm die komplette Elbausfahrt. Nach anfänglichem Murren, machte ihm aber Ausguck halten, Autopilotkorrektur und Steuern von Hand soviel Spaß, dass er ca. 2/3 der gesamten Strecke von 65 nm (ca. 13 h) übernahm.

Noch dazu war er der Einzige an Bord, der komplett von Seekrankheit verschont blieb. Johanna schlief die ganze Zeit, Micha teilte sich mit Felix in die Navigation und das Steuern. Ich wollte eigentlich auf diesem Seestück den Bordunterricht weiterführen, kam jedoch nicht dazu. Erst als wir im Hafen von Norderney fest vertäut an einer Spundwand lagen, stellte sich wieder Normalität im Magen ein. Also hatten die Kinder nicht hitze-, sondern lehrerfrei.

Unsere Männer wurden während der Fahrt oftmals von Robben neugierig aus dem Wasser heraus angeschaut. Felix sah heute früh sogar ein solches Tier auf der Slipanlage der Marina liegen.

Die Motorkontrolle nach Ankunft in Norderney ergab: kein Öl im Motorraum.

Da ab Montag das Wetter deutlich schlechter werden soll, planen wir morgen nochmal eine ähnlich lange Strecke zurückzulegen. 

02.08.2019 Cuxhaven ->Cuxhaven  (Elbe)

Ja, die Triton ist wieder im Wasser. Allerdings war selbst das Einkranen wieder mit Schwierigkeiten verbunden. Ein Gewitter ließ uns einige Zeit warten, da der ausgefahrene Kran sonst Ziel der Blitze geworden wäre. Als das Gewitter vorbei war, mußte der bereits aufgestellte Kran nochmal rangieren, um seine eigenen Gewichte von dem mitfahrenden Lkw abzuladen (die Halle war im Weg). Also die Spannung blieb. Aber irgendwann war es soweit - unser Schiff liegt wieder im Wasser. Der Werftchef startete mit uns nochmal die Motoren zu Testzwecken und fand tatsächlich noch eine nicht komplett festsitzende Dieseleinspritzdüse, welche schnell noch in Ordnung gebracht wurde.

Für uns hieß es noch Proviant, Diesel und Wasser für die nächsten Tage bunkern und ablegen, um noch in den Cuxhavener Yachthafen zu kommen. Die Motorräume sind ohne Öl, die Motoren liefen und wir bewegten uns ein Stückchen - wir sind glücklich und geschafft.  

Die Cuxhavener Werft hat bei uns einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

01.08.2019 Cuxhaven  (Elbe)

Morgen soll die Triton zwischen 10.00-11.00 Uhr wieder ins Wasser. Entweder wir starten gleich danach noch nach Helgoland oder wir gehen mit ablaufender Tide am Samstag früh 03.00 Uhr in Richtung Norderney. Da wir auf dem Weg nach Helgoland und tags darauf nach Norderney gleich zweimal ein Verkehrstrennungsgebiet queren müssen, werden wir uns wohl eher für die Variante Samstag 03.00 Uhr entscheiden. Hauptsache es geht wieder los, da müssen eben auch mal die Augen und Sinne schon vor dem Aufstehen offen sein. Ansonsten brachte der heutige Tag durch Cuxhaven zu laufen und Werftabsprachen. 

Was passierte alles in der Werft: Ausbau Generator (um unsere permanente Schräglage nach Steuerbord zu reduzieren), Abdichtung Dusche durch neue Armatur inkl. Mischbatterie, Abdichtung/ Wartung Saildrives.